Ressourcen
Kernlehren des Hinduismus
Der Hinduismus kennt kein einzelnes Glaubensbekenntnis und keine zentrale Autorität. Es gibt jedoch einen Bestand von Lehrsätzen, den seine Schulen über alle Unterschiede hinweg teilen. Dreizehn davon sind hier zusammengestellt.
Erkenntnis
- 01
Die Veden als pramāṇa
Die Veden gelten als Erkenntnisquelle, besonders für parāvidyā — jenes Wissen, das sich nicht empirisch prüfen lässt: die Existenz Brahmans, die mahāvākyas, das karma siddhānta.
Wirklichkeit
- 02
Brahman
Brahman besteht dauerhaft als absolutes, ungeteiltes Bewusstsein. Hindus sind darin brahmavādins — im Unterschied zu den ātmavādins (Jainas) und den anātmavādins (Buddhisten).
- 03
Vyakta und avyakta
Brahman durchdringt alles Erscheinende (vyakta) und ist zugleich der Ursprung dessen, was noch nicht erschienen ist (avyakta).
- 04
Die darśanas
Die philosophischen Systeme beschreiben das Verhältnis von Īśvara als paramātmā, ātman als jīvātmā und jagat, der stofflichen Schöpfung — alle drei Erscheinungsformen Brahmans.
Weg
- 05
Karma siddhānta und Wiedergeburt
Der ātman wird wiedergeboren als Folge des karma siddhānta: Handlungen haben Wirkungen, und wir tragen die Verantwortung dafür vollständig. Mokṣa ist das Endziel.
- 06
Die vier puruṣārthas
Das Leben wird an vier Zielen ausgerichtet: dharma, artha, kāma und mokṣa. Keines ersetzt die anderen.
- 07
Dharma
Dharma ist das ethische und zugleich natürliche Gesetz, das die Welt trägt und rechtes Handeln leitet.
- 08
Mehrere Wege
Verschiedene Wege führen zu mokṣa — insbesondere bhakti, karma, jñāna und rāja yoga. Ihre Gültigkeit steht nebeneinander, nicht gegeneinander.
Praxis
- 09
Sādhana
Was die Überlieferung aussagt, lässt sich durch Praxis verwirklichen — nach der Anleitung der śāstras, etwa der Yogasūtras oder der Bhaktisūtras.
- 10
Die devatās
Es gibt eine Vielzahl von devatās als besondere Erscheinungsformen Īśvaras beziehungsweise Brahmans.
- 11
Ikonographie
Eine ausgearbeitete Bildsprache stellt die devatās dar — nach den Eigenschaften, die sie verkörpern, und dem Segen, den sie gewähren.
Gestalt
- 12
Aufnahme des Örtlichen
Der Hinduismus ist ein Rahmen, der örtliche Bräuche nach deśa und kāla in sich aufnehmen kann (mārga) und dabei für die Menschen vor Ort bedeutsam bleibt.
- 13
Ehrfurcht vor der Natur
Durch Philosophie wie durch gelebte Praxis prägt der Hinduismus eine tiefe Achtung vor Flüssen, Bergen, Wäldern und Tieren.